Am 11. Juni 2026 fand im Kloster Höchst ein bewegendes Zeitzeugengespräch statt. Zu Gast war ein polnischer Überlebender, heute Pfarrer im Ruhestand, der 1945 im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück geboren wurde. Er gehört zu den wenigen Kindern, die unter katastrophalen hygienischen Bedingungen die ersten Lebensmonate überstanden haben – von ca. 800 dort geborenen Kindern überlebten nur sehr wenige.
Der Zeitzeuge schilderte den Schülerinnen und Schülern eindrücklich die Geschichte seiner Familie. Nach dem Warschauer Aufstand wurden seine Angehörigen als politische Gegner inhaftiert und getrennt: Die Männer kamen nach Auschwitz und überlebten nicht. Seine Mutter, Großmutter und Tante wurden nach Ravensbrück deportiert, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen und schwerster Zwangsarbeit litten.
Besonders berührend beschrieb er den Alltag der Mütter im Lager: Wegen extremer Unterernährung fehlte oft die Muttermilch. Säuglinge wurden mit vorgekautem Brotbrei versorgt, lebten zwischen Ratten und Kälte. Jeder Tag war ungewiss. Kurz vor Kriegsende wurden seine Mutter und die weiteren Familienangehörigen durch das Schwedische Rote Kreuz in den „Weißen Bussen“ gerettet. Nach einem Aufenthalt in Schweden kehrte die Familie nach Polen zurück, wo auch der Vater wieder zu ihnen stieß.
Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich sehr interessiert und stellten zahlreiche Fragen. Ein Schüler mit polnischen Sprachkenntnissen unterstützte teilweise als Übersetzer. Dadurch entstand ein besonders intimes und gewinnbringendes Gespräch.
„Solange Zeitzeugen noch leben und berichten können, ist es unsere Aufgabe zuzuhören und zu erinnern“, betont die Geschichtslehrerin Frau Reus. Der Austausch war nicht von Grauen geprägt, sondern vom Wissen, es künftig besser machen zu können. Wir danken dem Zeitzeugen herzlich für diesen wertvollen und mutigen Bericht.


