10, 9, 8, 7, 6, 5… mit diesem Countdown holten die Schülerinnen und Schüler der Georg-Ackermann-Schule am 30.01.2026 den Ehrengast Lijana Kaggwa auf die Bühne der GAS-Sporthalle. Lijana Kaggwa ist Model und eine ehemalige Teilnehmerin von Germany's Next Topmodel (GNTM). Sie stieg im Finale 2020 freiwillig aus, da sie sehr stark unter Cybermobbing litt. Daraufhin gründete sie die Organisation „Love Always Wins“. In ihrem Buch mit dem Namen „Du verdienst den Tod“, verarbeitete sie ebenfalls ihre Erfahrungen mit Mobbing und insbesondere Cybermobbing. Heute besucht sie viele Schulen in ganz Deutschland, um ein starkes Zeichen gegen Rassismus und Cybermobbing zu setzen.

 

Der spannende Vortrag an der Georg-Ackermann-Schule begann damit, dass Liljana ein Video aus Zusammenschnitten aus ihrer GNTM-Zeit präsentierte und anschließend nachdenklich machende Passagen aus ihrem Buch „Du verdienst den Tod“ vorlas. Die anschließende „Schätzrunde“ zu den gigantischen Werbeeinnahmen der Fernsehshow GNTM verblüffte viele der Anwesenden. Dies lieferte die Überleitung zu dem Thema „GNTM hinter den Kulissen“, in welchem sie den Schülerinnen und Schüler die Manipulationsversuche und die Schaffung von Rollenbildern in der Show erklärte, was die Einschaltquote erhöht. Ebenso zeigte sie einige der unter anderem rassistischen Hass-Kommentare, die sie nach ihrer Zeit bei GNTM erhalten hatte. Sie verdeutlichte den ZuhörerInnen außerdem noch die verschieden Eskalationsstufen: nach Hass-Kommentaren folgten Attacken im realen Leben, danach kamen bei ihr immer größer werdende Selbstzweifel aufgrund der erlittenen seelischen Verletzungen. Die Angst wurde größer, nachdem unerlaubt ihre Adresse veröffentlicht wurde. Auch ihre Familie litt immer stärker unter den Hasskommentaren. Gebannt hörten die Anwesenden Lijanas Geschichte, denn das ehemalige GNTM-Model konnte anschaulich erklären, wie die Lawine unaufhaltsam ins Rollen kam.

Wichtig war ihr zu betonen, was man selbst dagegen tun kann: sich nicht zurückziehen, nicht den Mobbern das Feld überlassen. Eindringlich sprach sie den Schülerinnen und Schülern Mut zu, sich Hilfe und Beratung von Eltern, Lehrkräften  oder der Polizei zu holen, sollten sie einmal selbst von Mobbing oder Cybermobbing betroffen sein. In diesem Zusammenhang wurde auch der Straftatbestand „Mobbing“ und „Cybermobbing“ dargestellt und später von zwei anwesenden Polizistinnen ausführlich erklärt. Am Ende der Veranstaltung durften alle Schülerinnen und Schüler ein Tuch in ihrer Lieblingsfarbe aussuchen und hochhalten. Mit Hilfe dieser kleinen Aufgabe zeigte Lijana, dass alle Menschen unterschiedlich sind und das auch gut so ist.

Im Anschluss an die Veranstaltung durften alle den ehemaligen GNTM-Star noch einmal hautnah erleben, Fragen stellen und Fotos machen. Lijana machte deutlich, dass ihre Organisation „Love Always Wins“ immer für alle Menschen da ist, die Probleme mit Cybermobbing haben. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Veranstaltung ein voller Erfolg war. Viele Schülerinnen und Schüler verließen sehr nachdenklich die Sporthalle und machten sich bestimmt auch im Nachhinein darüber Gedanken, was sie an diesem Vormittag gehört hatten.

Lijanas Schlussworte an die Schülerinnen und Schüler am Ende der Veranstaltung waren: „LOVE ALWAYS WINS!“

 

WPU „Kreativ mit Sprache – Sena, Leandro, David, Diego, Aysenur, Max, Jana, Cheyenne, Lila, Lea


 

Interview

Lijana Kaggwa – 12 Fragen an die GNTM Top-Favoritin 2020

 

Den SchülerInnen des WPU-Kurses „Kreativ mit Sprache“ bot sich die Gelegenheit, die ehemalige GNTM-Kandidatin Lijana Kaggwa vor ihrem Vortrag an der GAS zu treffen und mit ihr ein Interview zu führen.

 

  1. Wie hat alles angefangen, wie kamst du zu GNTM?

Germany‘s Next Topmodel war mein großer Traum seit der allerersten Staffel, da war ich 8 oder 9 Jahre alt. Meine Mutter wollte aber, dass ich zuerst mein Abitur mache. Als ich dann Anfang 20 war, schaute ich mit meinen Freunden das GNTM-Finale 2019. Da ist mir eingefallen, dass ich eigentlich auch teilnehmen wollte und ein Jahr später habe ich mich bei GNTM beworben. Ich dachte damals, ich gehe mal zum Casting, weil ich sowieso nicht angenommen werde. Aber dann wurde ich tatsächlich doch angenommen und wurde zur Favoritin der GNTM-Show 2020.

 

  1. Ab wann war der Punkt gekommen, als du bei GNTM gemerkt hast, dass du nicht mehr weitermachen kannst?

Als ich so stark unter Cybermobbing gelitten habe, dass ich unter Polizeischutz gestellt werden musste. Es ging um Leben und Tod. Ich habe hinterfragt, wie viel ein GNTM-Titel wert ist, wenn meine Gesundheit auf dem Spiel ist.

 

  1. Was war das Schlimmste, was im Netz über dich geschrieben wurde, und wie bist du damit umgegangen?

Also, das, was mich am meisten getroffen hat, war, wenn man meiner Mutter oder meinen Geschwistern den Tod gewünscht hat. Sie konnten ja nichts für meine Teilnahme an Germany‘s Next Topmodel. Das hat mir am meisten weh getan. Ich bin anfangs schlecht damit umgegangen, ich hatte keine Strategie. Aber als ich und meine Familie damals beim „Bündnis gegen Cybermobbing“ Hilfe gesucht haben, konnten die mir Strategien an die Hand geben. Ich glaube, das Wichtigste war, meinen inneren Schutzschild wieder aufzubauen, das heißt, mich von Worten anderer nicht verletzen zu lassen.

 

  1. Wer hat dir geholfen, das durchzustehen?

Meine Familie und meine Freunde! Und tatsächlich auch viele andere Betroffene, die ähnliches durchgemacht haben wie ich. Aber auch Beobachter, die das gesehen haben und gesagt haben, dass das nicht richtig ist, also auch fremde Menschen aus dem Netz.

 

  1. Wie erging es deiner Familie während dieser Zeit, als du diese vielen Hasskommentare bekommen hast?

Meine Familie war sehr hilflos. Meine Mutter hat ein tolles Zitat in meinem Buch geäußert. Sie hat gesagt, es war so, als ob sie auf einem großen Schiff im Meer stand und sie sieht, wie ich über Bord gehe und ertrinke und sie kann nichts machen – sie hat keinen Rettungsring, den sie mir zuwerfen kann und kann nichts machen, um mir zu helfen. So schlimm hat sich das für meine Familie angefühlt.

 

  1. Was hat dich dazu bewegt, „Love always wins“ zu gründen?

Die Zuschriften von vielen jungen Menschen nach dem Finale. Ich bin ja freiwillig im Finale ausgestiegen, mit einer für mich sehr emotionalen Rede. Daraufhin habe ich sehr viele Zuschriften bekommen von jungen Menschen, denen es ähnlich erging. Was mich dann schockiert hat war, dass viele dieser jungen Menschen überhaupt keinen Rückhalt hatten von Familie, Schule oder Freunden. Und sie haben sich dann an mich – einen komplett fremden Menschen – gewendet und nach Hilfe gefragt. Da ist mir aufgefallen, dass es einfach ganz viele junge Menschen gibt, die wirklich Hilfe brauchen. Und für sie möchte ich da sein.

 

  1. Was ist deine Message an Menschen, die Hass von anderen erfahren?

Gib niemals die Macht, dich selbst zu definieren, anderen Menschen! Das heißt, gib keinem anderen Menschen die Macht, über dich bestimmen zu dürfen, was du wert bist und wer du bist. Diese Macht möchte ich unbedingt jedem einzelnen betroffenen Menschen wieder zurückgeben, selbst entscheiden zu dürfen, wer man ist. Und jeder Mensch ist wertvoll und liebenswert!

 

  1. Hast du Dinge, die du während deiner Zeit bei GNTM zu deinen Kandidaten gesagt hast, bereut?

Ja, auf jeden Fall. Alles, was ich gesagt habe, was andere verletzt hat, bereue ich sehr. Ich glaube ich bin dadurch auch sensibler geworden mit meinen Worten, weil ich selbst erfahren habe, wie schmerzhaft Worte sein können, auch wenn sie wahr sind oder es meine Meinung ist.

 

  1. Erkläre uns bitte noch einmal in drei Sätzen, was „Love always wins“ für dich bedeutet.

„Love always wins“ ist das Motto. Das bedeutet, Liebe zueinander aber vor allem auch die Liebe zu einem selbst ist immer das stärkste Werkzeug. Liebe wird immer stärker sein als Hass!

 

  1. Was möchtest du mit deinem Projekt bewirken?

Ich hoffe, dass ich wieder mehr Respekt in die Gesellschaft bringen kann. Dass wir wieder lernen, respektvoller miteinander umzugehen, dass wir wieder lernen, Unterschiede zu feiern, anstatt sie zu kritisieren. Und dass wir auch wieder lernen, dass wir die Macht haben, unseren Fokus auf positive Dinge zu lenken. Es bedeutet nicht, dass ich jeden Menschen mögen muss oder dass ich alles gut finden muss, was andere Menschen machen – das auf gar keinen Fall. Es wird immer Menschen geben, die ich mag, genauso wie Menschen, die ich nicht so gerne mag. Aber ich kann mich auf die Menschen fokussieren, die ich gerne mag und kann andere Menschen, die ich vielleicht nicht so gerne mag, einfach „sein“ lassen.

 

 

  1. Wie siehst du heute, mit zeitlichem Abstand, die Geschichten von damals?

Ich versuche es für mich in meinem Leben so anzunehmen, dass ich sage, was mir passiert ist, gibt mir die Stärke und die Kraft, mit euch darüber eine Unterhaltung zu führen. Und auch anderen Menschen vielleicht ein bisschen Mut zu machen und sie zu inspirieren. Genauso kann ich was damals passiert ist annehmen, das ist eben auch ein Teil meiner Geschichte und dies gehört zu meinem Leben dazu. Genauso wie die ganzen positiven Sachen, die in der Zukunft noch kommen werden.

 

  1. Wie geht es dir heute?

Heute geht es mir gut! Ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, dass Selbstbewusstsein und ein guter Selbstwert kein "Endziel" sind. Ich würde nicht sagen, dass ich bereits "fertig" bin und jetzt ein total selbstbewusster Mensch bin. Jeder Mensch hat gute Tage und schlechte Tage. Wir haben gute Phasen und schlechte Phasen im Leben. Es ist immer ein Auf und Ab. Deswegen geht es mir gut, und wenn ich eine schlechte Phase haben sollte, weiß ich, es werden auch wieder bessere Phasen kommen.

 

 

Lijana, die ehemalige GNTM-Kandidatin zu Besuch an der GAS – eine Begegnung, die gleichermaßen beeindruckte und zum Nachdenken anregte.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

WPU „Kreativ mit Sprache – Sena, Leandro, David, Diego, Aysenur, Max, Jana, Cheyenne, Lila, Lea